Freitag, 01 Aug 2014
 
 
Reparaturkostenübernahme (RKÜ) und Schadenabwicklung Drucken

 

Kostenübernahme
Bisher unterschrieb der Kunde in unserem Hause zwar immer eine Abtretung; hatte aber letztendlich der Werkstatt gegenüber trotzdem in Vorlage zu treten und selbst mit der Versicherung abzurechnen. Bei dem Versuch, die Versicherung zu kontaktieren, kam es nicht allein in Hotline- Warteschleifen vermehrt zu un-nötigen Verzögerungen in der Schadenabwicklung.

Durch eine Gesetzesänderung hat die Werkstatt heute die Möglichkeit, sich die Kosten für einen Schaden vom Kunden erfüllungshalber abtreten zu lassen. Das bedeutet, dass die Werkstatt direkt mit der Versi-cherung abrechnen kann. Die Werkstatt übernimmt im Interesse einer Steigerung der Kundenbindung gern den höheren Verwaltungsaufwand; der Geldfluss wird hierdurch allerdings noch immer nicht be-schleunigt.

Auch bei eindeutiger Schuldfrage kann es bei der Regulierung zu Komplikationen kommen; die der Werk-statt entstandenen Kosten sollen gekürzt werden. Die Werkstatt hat grundsätzlich das Recht die Differenz vom Kunden einzufordern; will diese die Kürzungen nicht hinnehmen, besteht sonst nur die Möglichkeit, einen Rechtsbeistand mit der Forderungseintreibung zu betrauen. Da die Kosten der Rechtsverfolgung nicht Teil der Versicherungsleistung sind, hat die Werkstatt diese dann selbst zu tragen. Schaltet jedoch der unfallgeschädigte Kunde im Zusammenhang mit einem KFZ- Haftpflicht- Schaden einen (Verkehrs-) Anwalt zur Beitreibung seiner Kosten und Wahrung seiner Rechte ein, hat die gegnerische Versicherung sämtliche hieraus entstehenden Kosten zu decken.

Schadenabwicklung
Die Werkstatt darf jetzt rechtliche Tipps geben, die im Zusammenhang mit der Hauptleistung stehen, d.h. wir dürfen unsere Kunden darauf aufmerksam machen, dass: ihm durch das Schadenereignis kein wirt-schaftlicher Nachteil entsteht. Er hat in jedem Fall Recht darauf sein Fahrzeug reparieren oder von der Versicherung wertmäßig ersetzen zu lassen. Dem Kunden stehen als Unfallgeschädigter außerdem ein unabhängiger Sachverständiger zur Bezifferung der Schadenhöhe, ein Unfall- Ersatzfahrzeug bzw. Nutzungsausfall für die Dauer der Schadenbehebung. Die Kosten der Schadenabwicklung durch einen (Verkehrs-) Anwalt sind ebenso durch die gegnerische Versicherung zu tragen. 

Befindet sich das Fahrzeug mindestens 6 Monate über das Schadenereignis hinaus im Besitz des An-spruchstellers, gilt die sogenannte 130-%- Regelung, wonach sogar bis zu 30% über den vom Sachverständigen hinaus ermittelten Fahrzeug- Marktwert (unmittelbar vor Schadeneintritt) repariert werden darf. Bei Beschädigung eines Neufahrzeuges hat der Unfallgeschädigte ggf. Anspruch auf Wertminderung.

So sind sämtliche hierbei entstandenen Kosten von der Assekuranz des Unfallverursachers zu übernehmen. Bei strittiger Sach-/ Rechtslage greift u.U. die eigene Verkehrs- Recht- Schutzversicherung.

Nicht Aufklären darf die Werkstatt den Unfallgeschädigten über Schmerzensgeld und Verdienstausfall.

Hieraus ergeben sich folgende Lösungsansätze:

  1. Die Werkstatt stellt einen Juristen zur Abwicklung von KFZ- Schäden ein.
  2. Das Unternehmen kann einen selbstständigen Anwalt ins Haus holen (Shop-in-Shop-Kanzlei)
  3. Die Werkstatt kann mit einem Verkehrsanwalt zusammenarbeiten, der auf Empfehlung des Unternehmens das Mandat vom Kunden erteilt bekommt. Die Beauftragung des Anwalts zur Schadenabwicklung erfolgt ausdrücklich durch den Kunden. Die Mandatserteilung erfolgt im persönlichen Kontakt zwischen Kunde und Verkehrsanwalt.

Nicht alleine um den bestmöglichen Kundenservice zu bieten, haben wir uns für die direkte Zusammenarbeit mit einem Verkehrs- Anwalt und das Outsourcen des eigenen Verwaltungsaufwandes entschieden.


Was spricht für die Schadenabwicklung durch einen (Verkehrs-) Anwalt?
Versicherungen reagieren ganz anders auf ein Anwaltsschreiben; im Umgang mit Privatleuten versuchen die Gesellschaften nicht selten die Kosten zu drücken. Oftmals gar unter schier unhaltbaren Begründungen.

Vom Erstkontakt an wird der Geschädigte von der unfallgegnerischen Versicherung geködert und ausdrücklich auf die Schadenminderungspflicht verwiesen. Der Anspruchsteller wird angehalten, nur bei drin-gendem Bedarf einen Mietwagen in Anspruch zu nehmen und möglichst die Abwicklung des Schadens aus den Händen zu geben. Letztendlich werden Möglichkeiten wie die Inanspruchnahme von Unterstützung und angebliche Kostenreduzierungs- Vereinbarungen durch die Versicherung als unabänderbare Gegebenheiten dargelegt. Der Unfallgeschädigte wird nur selten vollumfänglich über seine Ansprüche und Rechte aufgeklärt. Ist ein Anwalt mit der Abwicklung beauftragt fallen derartige Manipulationsversuche auf unfruchtbaren Boden.

Nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der Kundenbindung ist es attraktiv, die Abwicklung des Unfallschadens für den Antragstellers möglichst auf ein Minimum zu reduzieren, in dem man der Kunde auf Empfehlung der Werkstatt von Anfang an einen Verkehrsanwalt mit der Schadensregulierung beauftragt. Was nützt das schönste Rundum-Sorglos- Service- Paket wenn die Haftung nicht geklärt ist und der Kunde auf den Kosten sitzenbleibt?

Stellen Sie sich folgende Situation vor:

Die Versicherung sagt: „Lassen Sie den Schaden in der Werkstatt schätzen. Unter 2.000 € benötigen wir keinen Gutachter.“

Unter Umständen rät die Werkstatt jedoch trotzdem ein Gutachten erstellen zu lassen, um Streit-punkte wie Wertminderung und Nutzungsausfall klären zu können oder bei drohendem wirtschaftlichen Totalschaden den Restwert zu bestimmen. Grundsätzlich ist es im Kundeninteresse ratsam, einen versicherungsunabhängigen Sachverständigen zu beauftragen.

Zudem hatte die Werkstatt im konkreten Fall den Reparaturumfang auf mehr als 2.000 € geschätzt.
Der freie Sachverständige sah den veranschlagten Aufwand nicht vollumfänglich als erforderlich an, so dass das Gutachten letztendlich doch unter 2.000 € lag. Daraufhin weigerte sich die Versi-cherung, die Sachverständigen- Kosten zu übernehmen, obwohl die Reparaturkosten dadurch erheblich reduziert werden konnten.

Da Unfallhergang und Schuldfrage eindeutig waren, fand die Kundin es anfangs übertrieben einen Anwalt hinzuzuziehen. Die Versicherung behauptete im Nachhinein, mit der Anspruchstellerin vereinbart zu haben, dass kein Gutachten notwendig gewesen sei; der Sachverständige wäre eigenmächtig beauftragt worden, weshalb die Assekuranz die angefallenen Kosten nicht zu zahlen hätte. Erst der Rechtsanwalt der Werkstatt konnte auch diese Kosten geltend machen.